ERASMUS+-Projekt

Soziale Solidarische Ökonomie in Europa – Stärkung eines neuen Paradigmas


Dieses Projekt zielt auf die Stärkung der Sozialen Solidarischen Ökonomie (SSÖ) in Europa durch die Innovation von Curricula im Bereich von IVET (Initial Vocational Training and Education - in etwa: Berufliche Orientierung und Erstausbildung). Hauptziel ist eine zusammenhängende (Aus-) Bildungs- und Berufs-Entwicklung für jüngere Generationen, in der alternative sozioökonomische Modelle und Paradigma im Rahmen ihrer Gedanken und Verhaltensweisen zusammengefügt werden.

Der Grundgedanke dieses Projekts basiert auf zwei Hauptannahmen:

  1. SSÖ als ein alternatives sozialökonomisches Modell
    Die Soziale Solidarische Ökonomie wird zunehmend als pulsierendes und zukunftsträchtiges Modell in der EU und anderen Teilen der Welt wahrgenommen. Die SSÖ ist in verschiedenen Grundwerten und Praktiken verankert; sie umfasst Organisationen des Dritten Sektors, soziale Unternehmen, Bewegungen und Bürger, die Alternativen zu den mehrschichtigen Krisen der heutigen Zeit entwickeln (größere Ungleichheit, mangelnde Demokratie, wachsende strukturelle Abnahme von Sozialstaatlichkeit etc.). Das gegenwärtige ökonomische vorherrschende Paradigma gibt keine Antworten mehr auf die drängenden Probleme der Menschen und des Planeten. Daher gibt es einen Ruf nach einem nachhaltigen Modell, das auf die sozialen Bande lokaler Gemeinwesen zurückgreift und emanzipatorische Beziehungen auf der Basis von Gegenseitigkeit und Solidarität herstellt.
     
  2.  IVET als Instrument für den sozialen Wandel
    Ein Paradigmenwechsel erfordert Bewusstseinswandel. Daher sind Erziehung und (Aus-) Bildung fundamentaler Teil dieses Prozesses - insbesondere IVET mit seinem Potenzial zur Transformation für junge Menschen in Bürger und Professionals, die zunehmend Wissen und Aufmerksamkeit über die sozialen Herausforderungen hervorbringen und hiermit auch umgehen lernen. Insofern ist ein innovativer Ansatz für IVET erforderlich, insbesondere für den sekundären, nicht-tertiären, Bildungssektor. Verbunden mit einer hohen Qualität von Fertigkeiten und Bildungsinhalten und mit transversaler und Allgemeinbildung, sollen gut (aus)gebildete junge Erwachsene geschult werden. Hierfür müssen die Curricula innovativ genug sein, um gegenwärtigen Beschäftigungslücken und sozialen Herausforderungen wirksam zu begegnen.

In diesem Kontext möchten die Projektpartner mit ihrer diversifizierten Expertise, aber gleichzeitig ähnlichen Anliegen, das Potenzial der SSÖ in die IVET-Cıırricula bringen und damit ein synergetisches Feld erzeugen, das auf die obengenannten Herausforderungen eingeht.

Folgende Herausforderungen und Bedürfnisse werden von diesem Projekt angegangen:

  • Entsprechende Inhalte sind mit Blick auf die SSÖ in den meisten EU-Ländern nicht existent. Es existieren auch keine Module, die systematisch als transversaler Inhalt in IVET bzw. als Berufsprofil vorkommen.
  • Zwar gibt es in den letzten Jahren zunehmend Kurse zur Sozialen Ökonomie, sie sind jedoch i.d.R. sehr spezialisiert, mit keinem oder wenig Bezug zur SSÖ und unkritisch mit Bezug auf unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem.
  • Die Kurse sind oft auf Personen und Organisationen beschränkt, die bereits im Bereich der SSÖ arbeiten.
  • Hingegen ist die SSÖ immer noch ein zukunftsträchtiges, aber immer noch weitgehend unerforschtes Thema, sein Konzept ist weitgehend unbekannt, vage und den meisten Menschen fremd.

Bisherige Forschung und Erfahrungen der Partnerorganisationen haben eine Vielzahl von Schwächen vorhandener Bildungskurse für die SSÖ zum Vorschein gebracht: Viele dieser Bildungsgänge oder Kurse sind auf die jeweiligen nationalen, regionalen oder gar organisationsinternen Rahmenbedingungen beschränkt und vernachlässigen europäische bzw. internationale Erfahrungen; außerdem sind viele dieser Bildungsgänge und Kurse speziell auf bestimmte Zielgruppen, Sektoren, Geschäftsfelder und Einsatzgebiete zugeschnitten und/oder beschränken sich auf einzelne Aspekte des Aufbaus, der Führung und Finanzierung bestimmter Unternehmens- und Organisationsformen. Was fehlt, ist ein integrierter oder ganzheitlicher Ansatz, der die Gesamtheit der sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen reflektiert, in die jene Unternehmen und Organisationen eingebettet sind; viele dieser Bildungsgänge sind und Kurse in affirmativer Weise den jeweiligen geographischen, kulturellen oder verwaltungstechnischen Regelungen und/oder Beschränkungen unterworfen, ohne diese kritisch zu hinterfragen. Deshalb fehlen häufig strategische Überlegungen und Konzepte, wie die jeweiligen politischen, kulturellen und ökonomischen Rahmenbedingungen verändert werden könnten, um eine gedeihliche Weiterentwicklung der Unternehmen und Organisationen in der Lokalen Sozialen Ökonomie zu gewährleisten. Um diese Schwächen zu überwinden, wird eine integrative historisch-kulturelle Perspektive benötigt sowie eine effektive kollaborative Herangehensweise zur Änderung des vorherrschenden ökonomischen Paradigmas.

Darüber hinaus wird nunmehr zunehmend die Mobilität der Menschen in Bezug auf (Aus-) Bildung und Beschäftigung Realität, was ebenso eine integrierte europäische Perspektive für das Wissen und die Bildung junger Menschen erfordert. Daher verfolgen wir einen europäischen Ansatz der SSÖ in IVET-Curricula.

In diesem Kontext haben wir uns diese Ziele im Projekt gesetzt:

  1. Bestandsaufnahme der Möglichkeiten und Hemmnisse für die Implementation der SSÖ in die IVET-Curricula auf nationaler und EU-Ebene
  2. Entwicklung eines gemeinsamen Lernpakets von SSÖ-Modulen in IVET
  3. Inklusion von SSÖ-Ausbildungsmodulen in IVET-Curricula auf nationaler und EU-Ebene

Im Verfolg dieser Ziele werden verschiedene Gruppen für dieses Projekt angesprochen:

  • Lokale, nationale und europäische IVET-Anbieter, die Ausbildungsinhalte wie Wirtschaft, Finanzen und Soziales im höherem sekundären Bildungssektor anbieten
  • Lokale, nationale und europäische SSÖ-Organisationen
  • Politik und Entscheidungsträger auf nationaler und europäischer Ebene
  • Lokale and nationale IVET-Auszubildende